Blinder Idealismus und/oder Wachsamkeit in der heutigen Welt

Sylvie Pouilloux

Wenn tödliche Attentate im Herzen der Städte stattfinden, begegnen wir plötzlich der Evidenz des Todestriebes und sind bestürzt von diesen Attentaten, als entdeckten wir die Gewalt wieder. Doch hat Freud den Todestrieb schon in „Das Unbehagen in der Kultur“ erwähnt. Melanie Klein wiederum meint, dass der Hass stets der Liebe vorangeht. Und Jacques Lacan betont unaufhörlich, dass die Gewalt in jeder Beziehung zum großen und kleinen Anderen das Primäre sei.


Das Leben in Gesellschaft nötigt das Subjekt, seinen Anspruch mittels Worten auszudrücken, sein Begehren den von der Kultur zugelassenen Werten anzupassen, was als solches schon eine Gewalt darstellt. Und je weniger das Subjekt von den Vorteilen der Zivilisation profitiert, desto stärker empfindet es diese aufgezwungene Unterwerfung als Belastung. Hinzu kommt eine überzählige, eine Extra-Gewalt, nämlich die der neuen Herren, sagt Lacan, Herren, die meinen über dem Gesetz zu stehen, die die Regeln zu ihren Gunsten abändern, Versagung und Rachegelüste erzeugen.

Welche Antwort kann die Psychoanalyse dem geteilten Subjekt angesichts der Deregulierung des liberalen Systems liefern? Kann sie ihm noch dazu verhelfen, sein Begehren der Realität einzuschreiben? Kann sie ihm noch ermöglichen, das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit mit der Unabhängigkeit seines Denkens und der Lebensentscheidungen zu vereinbaren, ohne die Subjektivität keinen Sinn hätte?

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