Kategorie-Archiv: ABSTRACTS

Zur Aktualität der Gewalten

Alain Vanier  (Eröffnungsvortrag)

Indem er in seiner Antwort auf Einstein Recht mit Gewalt verbindet, kommt Freud, nach Totem und Tabu und der ursprünglichen Mordtat, auf die fundamentale Frage nach dem sozialen Band zurück, auf die Gewalt, die es gleichzeitig begründet und bedroht, sowie auf das, was sie reguliert.
«Gewalt wird gebrochen durch Einigung», weil «…es nicht mehr die Gewalt eines Einzelnen ist, die sich durchsetzt, sondern die der Gemeinschaft» 1; so garantiert die Gewalt das Recht. Aber er fügt hinzu: «Es ist ein Fehler in der Rechnung, wenn man nicht berücksichtig, daß Recht ursprünglich rohe Gewalt war und noch heute der Stützung durch die Gewalt nicht entbehren kann2

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Blinder Idealismus und/oder Wachsamkeit in der heutigen Welt

Sylvie Pouilloux

Wenn tödliche Attentate im Herzen der Städte stattfinden, begegnen wir plötzlich der Evidenz des Todestriebes und sind bestürzt von diesen Attentaten, als entdeckten wir die Gewalt wieder. Doch hat Freud den Todestrieb schon in „Das Unbehagen in der Kultur“ erwähnt. Melanie Klein wiederum meint, dass der Hass stets der Liebe vorangeht. Und Jacques Lacan betont unaufhörlich, dass die Gewalt in jeder Beziehung zum großen und kleinen Anderen das Primäre sei.

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„Alles Gut!“

Nazir Hamad

Die Anfragen von und für Jugendliche in der Vorpubertät und in der Pubertät in unseren analytischen Praxen, wandeln sich ständig und überraschen uns immer wieder. Die Überraschung ergibt sich vorwiegend aus dem wachsenden Kontrast zwischen der Art und Weise, wie sich die Eltern die Zukunft ihrer Kinder vorstellen und dem sorglosen in den Tag hinein leben der Kinder. «Keine Sorge , alles gut ! »hören wir oft als Antwort auf unsere Fragen oder die Besorgnisse der Eltern. «Keine Sorge» ist das Leitmotiv, das die Haltung der Kinder heutzutage am besten beschreibt.

Das Kind und der Andere

Annemarie Hamad

Mit dem Geburtsschrei gibt das menschliche Wesen seine Ankunft in der Welt des Anderen kund. Die Antwort auf diesen Schrei verwandelt diesen in einen Appel und bildet somit die Grundlage der Einschreibung des sich suchenden Subjekts in der Sprache, die es vorerst aus dem Diskurs des Anderen (verkörpert durch die Mutter, die Eltern) übernimmt.
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Der Einbruch des Anderen: Trauer und Verdrängung in der psychoanalytischen Theorie

Wilhelm Brüggen

Der Beitrag sucht den Begriff der Trauerarbeit und die Theorie des Verdrängungsprozesses bei Freud in seiner Radikalität zu erfassen und gegenüber neueren Konzepten zu rehabilitieren. Unter psychoanalytischen Gesichtspunkten ist die Trauer eine zentrale Form, den Einbruch des Anderen, Trennung und Verlust zu erleben und psychisch zu verarbeiten. Freud hebt hervor, dass Trauer nur gelingen kann, wenn jene Differenz – bis hin zur Erfahrung eines unwiederbringlichen Verlustes – nicht verdrängt wird. Weiterlesen

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Angesichts des Anderen: Gewalt, Trauer und Schutz

Inga Schaub

Mit dem Denken von Emmanuel Levinas beschäftigten sich so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Judith Butler und Johannes Paul II. Eine der Denkfiguren, die die heutige „third wave of Levinas scholarship“ (Peter Atterton und Matthew Calarco, 2010) fasziniert, ist die des Antlitz’, in dem uns der Andere in seiner Unendlichkeit begegnen kann. Der Vortrag will den gewaltvollen, trauernden und schützenden Impulsen nachgehen, die in dieser Begegnung entstehen, und diese in den Texten Levinas’ und seiner Rezipient_innen nachverfolgen.

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Gewalt in der Psychoanalyse

Bernhard Schwaiger

Die Psychoanalyse kennt keine Individuen und Identitäten sondern geht von Identifizierungen aus:  diese finden sich einerseits im „Sozialen“ wieder (wie in Freuds Massenpsychologie – das Soziale basiert auf Identifizierungen), und konstituieren andererseits den Psychischen Apparat. Lacan nennt die Psychoanalyse eine Methode, die es erlaubt, sich eben von diesen Identifizierungen zu lösen – sie zu zersetzen (analysieren) – Lacan spricht dabei auch von „des-identifications“.  Das Walten der Signifikanten, die aus dem „Mord am Ding“ (Lacan, Ecrits, S. 321) hervorgingen und das Begehren des Subjekts konstituieren, werden in einer Gewalt des Sprechens und Hörens erfahren.

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Gewalt: Recht, Politik und Klinik

André Michels

Am Thema der Gewalt überschneiden und entzweien sich Recht und Politik. Sie streiten wie um ein gemeinsames Erbe, das jedoch erst von einem Standpunkt ausserhalb ihrer Geltungsbereiche aus gedacht werden kann. Kann dieser von der Psychoanalyse eingenommen werden?

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„First Contact“: Angst und Gewalt in kolonialen Begegnungen in Papua Neuguinea

Robin Cackett

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Einbruch von Europäern in andere Welten. Anhand von schriftlichen, mündlichen und Bildquellen über Begegnungen zwischen deutschen und australischen Kolonisatoren auf der einen und verschiedenen einheimischen, Gruppen in Papua Neuguinea auf der anderen Seite werden die diskursiven und affektiven Mechanismen und Strategien diskutiert, die zur Bewältigung der Erfahrung des, mit den Worten eines Protagonisten, „absolut anderen“ aufgeboten werden.

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