Der Einbruch des Anderen: Trauer und Verdrängung in der psychoanalytischen Theorie

Wilhelm Brüggen

Der Beitrag sucht den Begriff der Trauerarbeit und die Theorie des Verdrängungsprozesses bei Freud in seiner Radikalität zu erfassen und gegenüber neueren Konzepten zu rehabilitieren. Unter psychoanalytischen Gesichtspunkten ist die Trauer eine zentrale Form, den Einbruch des Anderen, Trennung und Verlust zu erleben und psychisch zu verarbeiten. Freud hebt hervor, dass Trauer nur gelingen kann, wenn jene Differenz – bis hin zur Erfahrung eines unwiederbringlichen Verlustes – nicht verdrängt wird. Weiterlesen

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Angesichts des Anderen: Gewalt, Trauer und Schutz

Inga Schaub

Mit dem Denken von Emmanuel Levinas beschäftigten sich so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Judith Butler und Johannes Paul II. Eine der Denkfiguren, die die heutige „third wave of Levinas scholarship“ (Peter Atterton und Matthew Calarco, 2010) fasziniert, ist die des Antlitz’, in dem uns der Andere in seiner Unendlichkeit begegnen kann. Der Vortrag will den gewaltvollen, trauernden und schützenden Impulsen nachgehen, die in dieser Begegnung entstehen, und diese in den Texten Levinas’ und seiner Rezipient_innen nachverfolgen.

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Gewalt in der Psychoanalyse

Bernhard Schwaiger

Die Psychoanalyse kennt keine Individuen und Identitäten sondern geht von Identifizierungen aus:  diese finden sich einerseits im „Sozialen“ wieder (wie in Freuds Massenpsychologie – das Soziale basiert auf Identifizierungen), und konstituieren andererseits den Psychischen Apparat. Lacan nennt die Psychoanalyse eine Methode, die es erlaubt, sich eben von diesen Identifizierungen zu lösen – sie zu zersetzen (analysieren) – Lacan spricht dabei auch von „des-identifications“.  Das Walten der Signifikanten, die aus dem „Mord am Ding“ (Lacan, Ecrits, S. 321) hervorgingen und das Begehren des Subjekts konstituieren, werden in einer Gewalt des Sprechens und Hörens erfahren.

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Gewalt: Recht, Politik und Klinik

André Michels

Am Thema der Gewalt überschneiden und entzweien sich Recht und Politik. Sie streiten wie um ein gemeinsames Erbe, das jedoch erst von einem Standpunkt ausserhalb ihrer Geltungsbereiche aus gedacht werden kann. Kann dieser von der Psychoanalyse eingenommen werden?

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„First Contact“: Angst und Gewalt in kolonialen Begegnungen in Papua Neuguinea

Robin Cackett

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Einbruch von Europäern in andere Welten. Anhand von schriftlichen, mündlichen und Bildquellen über Begegnungen zwischen deutschen und australischen Kolonisatoren auf der einen und verschiedenen einheimischen, Gruppen in Papua Neuguinea auf der anderen Seite werden die diskursiven und affektiven Mechanismen und Strategien diskutiert, die zur Bewältigung der Erfahrung des, mit den Worten eines Protagonisten, „absolut anderen“ aufgeboten werden.

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Vanier, Alain

Alain Vanier ist Professor an der Université Paris Diderot und Direktor des Centre de recherches psychanalyse, médecine et société (CRPMS). Seine Forschungsfelder umfassen Fragen zur Wissenschaftsgeschichte von Psychoanalyse, Medizin und Psychiatrie, der Behandlung von Psychosen bei Kindern und Erwachsenen, sowie zur Metapsychologie. Er ist Herausgeber und Verfasser zahlreicher Publikationen, u. a. einer Einführung in die Psychoanalyse (Armand Colin, 2010) Prof. Vanier praktiziert als Psychoanalytiker in Paris und ist Vorstandsmitglied von Espace Analytique. Mehr Information: http://www.crpms.shc.univ-paris-diderot.fr/spip.php?article109

Pouilloux, Sylvie

Sylvie Pouilloux arbeitet als Psychoanalytikerin in eigner Praxis in Paris, sowie in der Fortbildung und Supervision für Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter.
Ihre Schwerpunkthemen sind Kreativität, Geistige Frühreife und die Verbindung von Psychoanalyse und Soziologie. Sylvie Pouilloux ist Mitglied bei Espace Analytique.

von Wroblewsky, Vincent

Dr. Vincent von Wroblewsky ist Konferenzdolmetscher und Präsident der Sartre Gesellschaft
in Deutschland. Vita: franc-all.de/vita/

Lucci, Antonio

Dr. Antonio Lucci ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin. Im SoSe 2016 hat er die Professur für „Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Ästhetik“ am selben Institut vertreten. Davor war er als Post-Doc Forscher am Excellence Cluster Topoi und als Dozent für Medienästhetik an der NABA (Mailand) tätig.
Er studierte Philosophie und Geschichte an der Universität Rom (La Sapienza) und promovierte in Triest im Bereich der Philosophie mit einer Arbeit über das Konzept von „Anthropotechnik“ in Peter Sloterdijk, die bei Aracne 2014 veröffentlicht wurde.
Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Konzepte von „Rückkopplung“ und „Kulturtechnik“ in der Kulturgeschichte, die Philosophie der Technik, die Verbindungen zwischen Oikonomia und Askese, die Geschichte der italienischen Philosophie und der Kulturwissenschaften. Zurzeit habilitiert er zum Thema „Askese als Subjektivierungsstrategie“ am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin. Er ist Herausgeber diverser philosophischer und internationaler Zeitschriften wie LoSguardo und Azimuth. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. die Monographien Il limite delle sfere. Saggio su Peter Sloterdijk (2011) Lacan, oggi, (2014) und Umano Post Umano (2016). Er hat zahlreiche Aufsätze auf Italienisch und Deutsch publiziert, darunter: “Asketische Motive in Pier Paolo Pasolinis Filmen“ (2015), “Jenseits des Austausches. Die Unterbrechung der Austauschordnung als logische Strategie bei Giorgio Agamben“ (2014) und „Oikos und Zoé. Biopolitik, Zoökonomie, Askese“ (2014).

Hamad, Nazir

Nazir Hamad, Dr. phil. für klinische Psychologie, arbeitet in freier Praxis als Psychoanalytiker in Paris. Er war ausserdem Direktor einer medizinisch-psychologisch-pädagogischen Ambulanz. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Psychoanalytiker mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Adoption und der Arbeit mit Pflegefamilien sind zahlreiche Publikationen hervorgegangen. Für „L’enfant adoptif et ses familles“ (Denoël 2001) hat er 2002 den Prix France-Liban erhalten, mit dem Werke von besonderem literarischem Wert von Schriftstellern libanesischer Provinienz in französischer Sprache ausgezeichnet werden. In deutscher Sprache ist eine Übersetzung von  „Les enjeux d’une psychanalyse avec un enfant“ (Érès 2015) in Arbeit, die bei Turia und Kant erscheinen wird. Dr. Hamad ist ausserdem Verfasser der Roman-Trilogie „Parolen du Levant“.

Braun, Christoph

Christoph Braun, Dr. phil. Dipl.-Psych., arbeitet als Psychoanalytiker in Privatpraxis in Berlin. Er ist Dozent am Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse e.V. (BIPP) sowie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Zusammen mit Wilhelm Brüggen und Andreas Gehrlach organisiert er das Forum Psychoanalytischer Wissenschaften am BIPP. Er ist Autor des Buches Die Stellung des Subjekts. Lacans Psychoanalyse (Parodos 2007) und Mitherausgeber von Dialektik des Mythos. Mythen und Mythoskritik in der Freudschen Psychoanalyse (Brandes & Apsel 2016).

Hamad, Annemarie

Annemarie Hamad, Dr. phil, arbeitet seit 1985 als Psychoanalytikerin für Kinder und Erwachsene in eigener Praxis in Paris. Vormals war sie in verschiedenen Institutionen und Funktionen eingebunden, darunter die Leitung einer Ambulanz für Kinder von 0-20 Jahren, und Empfangs- sowie Ausbildungstätigkeit in der Maison Verte. Dr. Hamad supervidiert Therapeuten, Logopäden und Lehrer in Gruppen und Einzelgesprächen und ist engagiert in zahlreichen psychoanalytischen Seminaren, Arbeitsgruppen und Zeitschriften im deutsch- und französischsprachigen Raum. 2015 hat sie die klinische Gruppe zur „Praxis der Lacanschen Psychoanalyse in Französisch und Deutsch“ mitbegründet. Aufsätze sind von ihr auf deutsch u. a.  in den Zeitschriften RISS und den Arbeitsheften für Kinderanalyse erschienen. Annemarie Hamad hat ausserdem massgeblich zum Erscheinen einer Broschüre über „Empfang und Begleitung des Kleinkindes, Elternschaft und Soziales Band“ beigetragen, die seit 2014 in 5 verschiedenen Spachen übersetzt worden ist.